Gitarre leicht lernen - Warum die C-Gitarre für Einsteiger sinnvoll ist!

Anfänger haben oft Schwierigkeiten mit dem Erlernen von einfachen Grundakkorden. Wer es nicht schafft, täglich zu üben, wird selbst nach vielen Monaten keinen Erfolg haben und die Gitarre frustriert wieder in die Ecke stellen. 

 

Hier erfährst Du, warum es sinnvoll sein kann sich zunächst mit der offenen C-Stimmung auf der Gitarre zu beschäftigen!


Gitarre spielen ist nicht so leicht, wie es immer aussieht!

Barré-Akkorde sind auf der Gitarre besonders schwer zu greifen. Aber auch der Wechsel der anderen Griffe fällt Anfängern oft besonders schwer.
Barré-Akkorde sind auf der Gitarre besonders schwer zu greifen. Aber auch der Wechsel der anderen Griffe fällt Anfängern oft besonders schwer.

von Daniel Sommer

 

Anfänger haben oft Schwierigkeiten mit dem Erlernen von einfachen Grundakkorden. Wer es nicht schafft, täglich zu üben, wird selbst nach vielen Monaten keinen Erfolg haben und die Gitarre frustriert wieder in die Ecke stellen.

 

Es sieht immer so einfach aus! Jemand singt ein Lied und begleitet sich dabei entspannt auf der Gitarre - mit nur wenigen Griffen und einem Rhythmus, der auch so schwer nicht sein kann. Wer es aber einmal probiert hat, weiß es selbst - Gitarre zu spielen, auch wenn es "nur" Akkorde sind, ist alles andere als leicht. Ein Instrument zu spielen und dabei zu singen ist ein sehr komplexer Vorgang. Die linke Hand muss greifen, die rechte Hand einen Rhythmus schlagen, singen möchte man auch noch - und wer das in Kita oder Schule tut, muss auch noch den Kopf oben haben, um nach den Kindern zu schauen.

 

Seit mittlerweile über 15 Jahren unterrichte ich täglich Erzieher/-innen und Lehrer/-innen in Kita und Schule. Wenn ich Schüler nach einigen Jahren mal wieder sehe und frage "Hey, was macht die Gitarre?" kommt leider viel zu oft die Antwort, dass im hektischen Berufs- und Familienalltag keine Zeit mehr geblieben ist, um zu üben. Dadurch ließ die Motivation auch schnell nach. Sie hatten sich das Gitarre spielen viel einfacher vorgestellt.

Es sieht ja immer so leicht aus!

Der leichte Einstieg durch einen alten Trick -  die offene C-Dur Stimmung

C-Gitarre
In der offenen C-Stimmung können Anfänger sofort loslegen, da sie nur einen einzigen Griff in der linken Hand lernen müssen.

Auf Fortbildungen in Kitas und Schulen zum Thema "Alltagsintegrierte Sprachförderung durch Musik" habe ich angefangen, mit offenen Stimmungen (sog. "open tunings") zu experimentieren. Im Zusammenspiel mit Orffschen Instrumenten war es auf Anhieb  möglich, einen schnellen und beachtlichen "Klangerfolg" zu erzielen, da die Gitarre - wenn sie z.B. auf C-Dur gestimmt ist - natürlich fehlerfrei harmonisch klingt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine C-Gitarre ist eine auf C-Dur umgestimmte Gitarre!

 

Die C-Dur Stimmung ist, wie viele andere offene Stimmungen auch, schon sehr alt. Sie wird auch von professionellen Musikern zum Experimentieren genutzt.

 

Mit der umgestimmten Gitarre können sich Anfänger tatsächlich erst einmal auf die rechte Hand konzentrieren und Lieder (z.B. „Bruder Jakob“) mit nur einem Akkord rhythmisch begleiten, und dabei sicher sein, dass der Akkord in jedem Fall klingt.

 

Sobald der 2. Akkord hinzu kommt (der sog. Dominantakkord), lässt sich dieser mit einem Barrégriff (Quergriff) nur mit dem Zeigefinger im 7. Bund greifen. Ein Barréakkord hört sich erst einmal schwierig an, ist aber in diesem Fall relativ leicht zu greifen, da wir ja lediglich den Zeigefinger benutzen, und die anderen Finger (noch) nichts zu tun haben. Der Wechsel zwischen den beiden Akkorden C-Dur und G-Dur ist also nichts anderes als die Gitarre im C-Dur "leer" anzuschlagen und beim Wechsel in den Akkord G-Dur im 7. Bund mit dem Zeigefinger zu greifen. Lieder mit nur 2 Akkorden gibt es eine ganze Menge, und diese lassen sich hierdurch ohne rhythmische Verzögerung mit einer Gruppe von Anfängern problemlos spielen. Fast alle Kinderlieder, Weihnachtslieder und Volkslieder lassen sich mit drei verschiedenen Akkorden greifen. Neben C-Dur und G-Dur wird dann noch die sog. Subdominante benötigt. Das wäre dann der Akkord F-Dur, den man in der offenen C-Stimmung genauso greift wie den G-Dur-Akkord, nur jetzt im 5. Bund statt im 7. Bund.

 

Auf Tagesseminaren und Fortbildungen, vor allem im pädagogischen Bereich, aber auch in Volkshochschulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen habe ich mit über 1000 Gitarreneinsteigern gearbeitet. Das Resultat ist erstaunlich, denn bereits nach ein paar Stunden sind tatsächlich alle Teilnehmer in der Lage, fast jedes beliebige Lied auf der Gitarre begleiten zu können. Natürlich muss der Quergriff einige Zeit geübt werden, ebenso die rechte Hand mit ihren verschiedenen Rhythmen und Anschlagsmustern. Mit der C-Gitarre ist es aber möglich, sich auf den so wichtigen Rhythmus zu konzentrieren und ein Gefühl für die so wichtige rechte Hand zu bekommen, ohne erst monatelang Akkordwechsel zu üben.  

 

Kinder in Kita und Schule musizieren auf der C-Gitarre

Kinder (hier bei einem Musikprojekt mehrerer Kitas in Düsseldorf) musizieren ab 4 Jahren auf der C-Gitarre
Kinder (hier bei einem Musikprojekt mehrerer Kitas in Düsseldorf) musizieren ab 4 Jahren auf der C-Gitarre

Die C-Gitarre ist nicht nur eine tolle Möglichkeit für Erwachsene, schnell und auf Anhieb Kinderlieder und Songs zu begleiten - auch Kinder in Kita und Schule musizieren gemeinsam auf der C-Gitarre.

 

Hierbei geht es nicht darum, dass Kinder lernen sollen, den für sie zu schwierigen Quergriff zu greifen. Kinder spielen mit Kapodastern (eine Klemme, durch die die Saiten heruntergedrückt werden) im Wechsel. Bei einem Lied mit zwei Akkorden würde eine Gruppe ein C-Dur spielen und die andere Gruppe ein G-Dur, und zwar immer dann, wenn sie an der Reihe ist. Kinder lernen so, aufeinander zu hören, und eben genau dann zu spielen, wenn sie dran sind. Sie lernen die Gitarre nur bei bestimmten Worten und Silben zu spielen,  an ganz bestimmten Stellen im Lied. Hierdurch entsteht eine tolle Form der Kommunikation - ein regelrechtes Hin & Her - eine Art Frage-Antwort Dialog mit dem Ergebnis des gemeinsamen Liedes und dem tollen Erlebnis gemeinsam Musik zu machen.

 

Instrumente wie Cajons, Boomwhackers und Orffsche Instrumente können ganz einfach integriert werden.

 


Kinderleichter Umstieg auf die "normalen" Akkorde

Vielen Schülern fällt das Greifen der Akkorde viel leichter, wenn sie zunächst einige Monate auf einer C-Gitarre in der offenen Stimmung ein Gefühl für das Instrument bekommen haben.
Vielen Schülern fällt das Greifen der Akkorde viel leichter, wenn sie zunächst einige Monate auf einer C-Gitarre in der offenen Stimmung ein Gefühl für das Instrument bekommen haben.

Wer durch die C-Gitarre Spaß am Instrument und der Liedbegleitung gefunden hat, wird früher oder später vielleicht doch gerne einmal die normalen Griffe für die linke Hand lernen wollen. Die C-Gitarre ist natürlich ab einem gewissen Punkt limitiert, da es beispielsweise schwierig wird, einen Moll-Akkord zu greifen. Auch hier gibt es zwar Tricks und Kniffe, wie man auch Lieder in Moll spielen kann (beispielsweise die C-Moll Stimmung, oder auch leichte Abwandlungen des Quergriffs) - aber wer anspruchsvollere Popsongs spielen möchte oder sich gar für die Jazz-, Flamenco- oder Klassische Gitarre interessiert, kommt nicht daran vorbei, die Gitarre wieder umzustimmen.

 

Ich habe es mit vielen Schülern ausprobiert. Nach ca. 3-5 Monaten ist das Spielen in der C-Stimmung so kinderleicht, dass fast alle meiner Schüler von sich aus die Stimmung gewechselt haben, weil sie zunehmend neugieriger und mutiger wurden. Das tolle Ergebnis ist, dass das Lernen der normalen Griffe viel leichter fällt, wenn man zunächst eine Zeit lang in der offenen Stimmung gespielt hat. Es hat bei vielen meiner Schüler nur wenige Wochen gedauert, und sie konnten die 10-12 Basisakkorde für die linke Hand problemlos greifen und wechseln. Das liegt daran, dass die Greifhand durch das Spielen auf der C-Gitarre bereits gestärkt und trainiert ist und die rechte Hand schon relativ sicher unterschiedlichste Rhythmen spielen kann. Man kann sich also voll und ganz auf die Akkorde konzentrieren - die rechte Hand verändert sich nicht mehr! 

Video "Die C-Gitarre"


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Kommentare: 8
  • #1

    Adriane (Freitag, 27 November 2015 13:52)

    Hallo Daniel, seit mehreren Jahren habe ich in unserer Grundschule eine Gitarren-AG und unterrichte nach dieser Methode. Ich habe sie bei Herrn Dr. Zilkens als JelGi-Methode kennen gelernt und habe seitdem selber Freude an diesem Instrument. Es macht einen riesigen Spaß mit Kindern, da sie hochmotiviert sind und sehr schnell ein großes Erfolgserlebnis haben. Diese Methode ist für Kinder diesen Alters einfach toll!
    Dein Beitrag ist sehr anschaulich! Mir fehlt aber noch die Komponente des Mitzeigens durch den Lehrer. Für jeden Klang steht ein Handzeichen, so dass die Kinder nicht in die Noten schauen müssen, sondern sich allein auf die Handzeichen konzentrieren und dadurch ihren Einsatz finden ohne mit den Augen am Notenblatt zu kleben.
    Ich hoffe, dass sich noch viel mehr Kollegen und Kolleginnen dafür interessieren, es ausprobieren und ihr Wissen den Kindern weiter geben.
    LG Adriane

  • #2

    Daniel (Freitag, 27 November 2015 14:10)

    Liebe Adriane,

    danke für dein Feedback. Um Missverständnisse zu vermeiden muss ich hier noch erwähnen, dass die Möglichkeit der C-Gitarre, bzw. unser Angebot "Gitarre leicht lernen" nichts mit JelGi zu tun hat. Es gibt Ähnlichkeiten, da auch die sog. JelGi-Methode, so wie viele andere Methoden und Lehrer, die offene C-Stimmung verwendet.
    Vielleicht schreibe ich bei Zeiten mal einen Artikel über die Unterschiede zwischen JelGi und der C-Gitarre ;-)

    Viel Spaß weiterhin mit der Gitarre

  • #3

    Angelika (Montag, 30 November 2015 18:00)

    Den Artikel finde ich super. Wenn man so wie ich doch mal das lernen hinten angestellt hat hilft das wieder und man hat ein AHA EFEKT.
    Liebe Grüße

  • #4

    Yvonne B (Freitag, 22 Januar 2016 05:40)

    Hallo Daniel
    dein Kurs ist spitze ich hätte nicht gedacht , dass man in so kurzer Zeit soviel lernt. Super Tag. Dankeschön LG Yvonne

  • #5

    Häns (Mittwoch, 09 März 2016 16:45)

    Okay, diese Methode kannte ich noch gar nicht. Ich habe nach Peter Bursch mit einem verminderten und sehr einfachen G-Dur angefangen. Dazu brauchte man nur einen Finger und das war natürlich sehr motivierend.
    Aber die Methode mit der C-Gitarre muss ich merken, es gibt viele Wege wie man den Einstieg lernen kann und gerade für Kinder ist es natürlich wichtig, dass sie einen leichten Weg finden.

  • #6

    A-Gitarrist (Montag, 11 April 2016 09:15)

    Normale Stimmung ist natürlich üblicher, aber geht es manchmal schwer, einige Akkorde zu greifen. Den Artikel ist cool!

  • #7

    Paladur (Montag, 23 Januar 2017 12:14)

    Hallo Daniel,

    Besteht noch dein Interesse daran, JelGi und C-Gitarre zu vergleichen?

    Ich hätte die Möglichkeit, auf einen kostenlosen JelGI Kurs zu machen. Die Website kam mir erstmal aber vor wie eine digitale Kaffeefahrt. Es scheint, als wäre es doch nicht so unseriös wie ich anfangs vermutet habe, aber bin noch immer etwas skeptisch.

    Aber ich werde hingehen und es muss mal anhören :) für die Zeit danach, was sind Tipps für einen guten Umstieg zur "normalen" Gitarre?

  • #8

    Jana (Samstag, 29 April 2017 19:35)

    Ja, der Artikel gefällt mir. Aller Anfang ist schwierig, aber nach 2 Jahren tüchtiger Arbeit merke ich schon sichtbare Fortschritte. Und meinen guten Lehrer habe ich auf dieser Webseite gefunden: www.musiksofa.org. Grüsse, Jana.